Die Pfarrei Herdwangen und ihre Pfarrkirche St. Peter und Paul
Geschichte
Der erste geschichtliche Hinweis auf die Pfarrei Herdwangen ist die Erwähnung eines Leutpriesters von Herdwangen namens Friedrich im Jahre 1226. Im Zehntbuch des Bistums Konstanz wird die Pfarrei 1275 aufgeführt. Das Patronatsrecht (das Recht, den Pfarrer vorzuschlagen) lag seit mindestens 1353 beim Kloster Petershausen und ging bei der Säkularisation 1803 an die Markgrafen von Baden über.
Baugeschichte
Über den Bau der ersten Kirche in Herdwangen gibt es keine historischen Nachrichten mehr. Der älteste datierbare Teil der Kirche ist ein großer Bogen, der heute in der Westwand des Kirchturms hinter der Sakristei versteckt ist. Er stammt von einem ehemaligen Chordurchgang und lässt darauf schließen, dass der Chor der Kirche sich einst im unteren Teil des Turms befunden hat. Das Kirchenschiff muss somit ursprünglich hinter dem Turm und nicht wie heute daneben gelegen haben. Die bereits leicht spitzbogige Form des Durchgangs lässt darauf schließen, dass diese Kirche in spätromanisch/frühgotischer Zeit, also um die Mitte des 13. Jahrhunderts, errichtet worden ist. Wann das Kirchenschiff nach Süden neben den Turm verlegt worden ist, ist nicht bekannt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bereits 1629 wird sie als „runiert“ beschrieben. In den 1640er Jahren fand jahrelang kein Gottesdienst mehr statt. Vermutlich wurde sie in der Folge neu errichtet oder zumindest umfassend renoviert. Das kleine Sandsteinrelief im Durchgang der hinteren Eingangstür stammt wohl noch von einer Türumrahmung aus dem 17. Jahrhundert. Der Stein wurde 1809, als das Kirchenschiff um etwa 3,60 m nach hinten verlängert wurde, um 90° gedreht an der neuen Tür wieder verbaut. In den Jahren 1909-1913 ließ Pfarrer Hummel neue Fenster einbauen und den Innenraum verschönern.

Außenbereich
Der Bereich um die Kirche herum diente bis ins 19. Jahrhundert als Friedhof. Die Figur des hl. Georg vom Herdwanger Bildhauer Siegel bekrönte ursprünglich das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs.
Das große Außenkreuz mit der Schmerzensmutter wurde im Jahr 2004 erneuert, der Korpus und die Marienfigur wurden mit Hilfe großzügiger Spenden restauriert.
Ralf Keller



